Im Roflcopter mit MC Fitti

Er ist eine zusammengeklaute Kunstfigur. Er macht Musik, die eigentlich unhörbar ist. Aber auch Nebensache.

MC Fitti ist die perfekte Werbeprojektionsfläche. Gesponsert wird ein absoluter Durchschnittstyp, der vor rund anderthalb Jahren beschlossen hat, mit Scheiße so viel Geld zu verdienen, wie es die Nachfrage eben zulässt. Seitdem kann er in Saus und Braus davon leben. Ein Konzert von ihm wird von seinen Jüngern begangen wie eine heilige Messe der virtuellen Lebensrealität. Zur Segnung erhalten sie Fitti-Pappmasken, Konfetti und buntes Vitaminwasser.

Das erste was man auf dem Weg in die Scheune sieht ist sein überlebensgroßes Gesicht auf dem pinkfarbenen Tourbus. Vollbart, Sonnenbrille und Basecap. Das ist eigentlich schon die Marke MC Fitti. Als der Hype mit seinem Sample-Hit „30 Grad“ im Sommer des letzten Jahres anfing, war es irgendwie noch ganz originell. „Ich trage heute Soft-Eis und sonst nichts“. Text ganz okay, Video lustig. MC Fitti war einer von vielen, der sich in der digitalen Nachbearbeitung austobt, indem er sein Gesicht über das von „Miami Vice“-Schönling Don Johnson alias Sonny Crocket bastelte und trashige Regenbogen-Animationen einbaute. Aber der Song hatte Flow. Seine Bauanleitung hat er seitdem nicht mehr groß verändert und trotzdem ein ganzes Album rausgebracht. Auf „Geilon“ (2013, Styleheads Music) wirft er zusammen, was einzeln seit Jahren bei einer breiten Masse funktioniert: die Achtziger, bunter Scheiß, Hipster-Bashing und peinlichen Jugendsprech. Schlager-Hip Hop zum Schmunzeln. Hedonismus für die Generation „Ich weiß doch auch nicht. Aber gib mir mal noch so’n Vitaminwasser!“ Der Sponsor des Getränks, das seine Bühnencrew und er beim Konzert ständig ins Publikum werfen, darf sich vermutlich über einen irre steigenden Absatz seines Farbwassers freuen.

MC Fitti verkauft sich wie kaum ein Anderer. Aber er macht es ganz offen. Manche wollen darin eine tiefere Ebene der Konsumkritik erkennen. Was bei einem jungen Publikum aber hängen bleibt, das in totaler Willenlosigkeit nachmacht, was auf der Bühne geschieht und von ihm gefordert wird, dürfte nicht übermäßig reflektiert sein. „Übelst geilon“ schreibt sich aber sicher ganz gut unter die Schulbank. So kann man dem 30-Tage-Bart nur unterstellen, die Oberflächlichkeit des Hip Hop-Genres zu ironisieren, indem er sie bis zum Erbrechen anwendet. Nach ein paar Partysongs wie „Fitti mitm Bart“, „Whatsapper“ oder „Yolo“, durch die DJ Katzenmaske (ja, genau, ein DJ mit einer Katzenmaske) den Bass drückt, als müsste er noch den letzten Rest jugendlicher Alltagsprobleme wegsprengen, fühlt man sich spätestens bei „Schnelle Ponys“ wie in einer von jeglicher Scham befreiten Ballermanndisko. Da steigen die Mädchen auf die Jungs und reiten sie. Das Ganze wird gefilmt, denn das Publikum steht im Vergleich mit anderen Fitti-Fans in Deutschland. Kollektiver Wettbewerb statt individuellem Spaß.

Natürlich klaut MC Fitti auch in der Musik. Er zitiert und verwurstet als gäbe es kaum noch ungesagte Wörter und nicht gespielte Melodien. Digitale Abkürzungen wie „Yolo“, „Lol“ oder „Rofl“ werden zu elementaren Textbausteinen. Dazu Aufforderungen wie „Wackelt mit den Fingern als würdet ihr eine E-Mail schreiben.“ Als wüssten 15 bis 20-Jährige heute nicht mehr, wie man einfach so mit den Fingern wackelt. Auch sehr bezeichnend, dass jetzt ein „echter“ Rapper den Sidekick macht. Der Berliner Vokalmatador steht seit Jahren auf der Bühne, bis Anfang 2012 reiste Fitti noch in seiner Entourage mit und träumte vom berühmt sein. Dass auch der Profi von beiden keine besonders gute Musik macht, verwundert nicht sehr. Er singt zwei, drei Songs in einer kurzen Erholungspause des Messias, alle mit geklauter Konserven-Hookline. Harmloser Plattitüden-Hip Hop. Da wünscht man sich sogar Fitti wieder auf die Bühne.

Trotz allem Bombast in der Show, den Säcken an Konfetti, die über den ersten Reihen ausgeschüttet werden und der skurrilen Häschen-Gymnastik: es bleiben Typen von nebenan, die Typen von nebenan unterhalten. Da kann noch so viel Ironie drin sein. Wenn man an jedem Ohr ein Handy hat, hört man die einfach nicht anklingeln. Und MC Fitti kennt wirklich keinen Schmerz. Positiv könnte man sagen, er diskriminiert nicht, er behandelt alle gleich. Er macht Werbung für Saturn, war Darsteller in einem DJ Ötzi-Video, war die Synchronstimme von Spongebob und zu Gast bei der Trash-Doku „Berlin – Tag & Nacht“. Es geht ihm ums Kreieren einer Marke. Ob das nun ein Getränk ist oder ein Popstar ist eigentlich egal. Bald gibt es endlich auch MC Fitti-Kopfhörer. Wenn die nicht gleich mit seiner Musik geliefert werden, bieten sie immerhin die Chance, als Fitti-Fan trotzdem gute Musik hören zu können.

Foto Murat Aslan

 

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